• Die Armut in Deutschland hat mit einer Armutsquote von 15,5 Prozent ein neues Rekordhoch erreicht und umfasst rund 12,5 Millionen Menschen.
  • Immer mehr Menschen in Deutschland haben keine Bleibe, weil Wohnraum knapper und teurer wird.
  • Momentan sind bundesweit etwa 280 000 Menschen ohne Wohnung. Bis 2016 soll diese Zahl noch mal um 100 000 ansteigen.
  • Auch zunehmend junge Leute sind betroffen.
  • Antworten auf die Armutsentwicklungen werden die zukünftigen gesellschaftlichen Herausforderungen bleiben.
  • Wir stellen uns dieser Herausforderung.

Duisburg bleibt arm. Daran wird sich auch in den nächsten Jahren nichts verändern. Da die Gesellschaft sich anscheinend, politisch gewollt, weiter in Richtung „ arm und reich“ entwickelt, spüren gerade arme Städte mit einem hohen Anteil an Arbeitslosengeld-II und Grundsicherungsempfängern diese Auswirkungen. Die Stadt Duisburg muss sich immer  neuen Herausforderungen stellen. Entgegen bundesweiter Trends hat sich die  Arbeitslosenquote und die damit verbundenen Armutsentwicklung in Duisburg nicht verändert. Im Gegenteil*. Der Zuzug von Neu EU-Bürgern war für Duisburg besonders drastisch. Im Laufe des letzten Jahres wollten sich ca. 12000 Menschen, die meisten ohne festes Einkommen, niederlassen.


Gegen Jahresende verschärfte sich noch einmal die Situation durch die weltweiten Kriege und die damit verbundenen Flüchtlingsbewegungen. Duisburg wurde durch seine Zeltstadt für Asylbewerber im Duisburger Norden bundesweit bekannt.


Damit bleibt es in naher und voraussichtlich weiterer Zukunft klar, dass die Stadt auch im sozialen Bereich weiter sparen muss und dadurch auch die Sozialpolitik vermutlich immer restriktiver werden wird.


Für die Arbeit unseres Vereins haben diese Entwicklungen zur Folge, dass immer wieder neue Klientinnen/Klienten bei uns um Hilfe nachsuchen. Dabei arbeiten wir auch eng mit der Zentralen Anlauf- Beratungs- und Vermittlungsstelle (ZABV) zusammen, die ca. 1.000 Wohnungslose pro Jahr berät. Bedrückend sind die Entwicklungen der jugendlichen Erwachsenen bis 25 Jahre, die ohne persönliche und berufliche Perspektiven auf der Straße stehen. Diese Personengruppe ist auf 1/3 aller Hilfesuchenden angestiegen und die Tendenz zeigt eher nach oben.


Unser Verein wird gerade wegen dieser Entwicklungen gefordert sein, hier seinen Beitrag zu leisten. Im Berichtsjahr hatten wir darüber hinaus bereits Kontakte zu Rumänen und Bulgaren, die insbesondere um Lebensmittel baten. Inwieweit sich für dieses Problem Kooperationen mit anderen Vereinen und Institutionen anbieten werden, bleibt abzuwarten.

*) Duisburger Arbeitslosenzahlen

Die Arbeitslosenquote in Duisburg betrug

im Dezember 2014: 12,5%
im Vergleich Land NRW:  8,2%
im Vergleich Bund:  6,4%

Inzwischen liegt die Arbeitslosenquote bei 13,2% (Stand März 2015)

8.1.    Stadtmitte

Im Jahr 2014 wurden täglich im Durchschnitt 19 Personen am Standort Stadtmitte betreut. Dahinter stecken im Laufe des Jahres 3609 Betreuungskontakte.Betreuungskontakte in der Stadtmitte an, in der Regel, vier Tagen pro Woche.


In jedem Jahr schwankt die Zahl der Menschen, die uns um Hilfe und Unterstützung bitten.  An unserem Standort Stadtmitte gab es , auf das Jahr gesehen, weniger Hilfeanfragen als in den Vorjahren. Dies kann hier auf das Wegbleiben Polnischer und Russischer Staatsangehöriger zurückgeführt werden, die in den Vorjahren uns sehr oft um Hilfe gebeten haben. Die Gruppe war in einem leer stehenden Haus untergekrochen, das abgerissen wurde. Über ihren Verbleib wissen wir leider nichts.


Im gleichen Zeitraum sind neue Hilfesuchende an uns herangetreten, so dass die Gesamtzahl der Betreuungskontakte nur geringfügig abgenommen hat.

 

8.2. Marxloh  - August-Bebel-Platz

An 189 Tagen waren wir 2014 am August-Bebel-Platz. Dabei kam es zu 4047 Betreuungskontakten. Das bedeutet, dass uns an jedem Tag ca. 21 Personen angesprochen haben.


Die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse der nördlichen Stadtbezirke prägen auch in hohem Maße die sozialen und finanziellen Möglichkeiten der dort lebenden Menschen. Um Hilfen bei Behördenangelegenheiten sowie wirtschaftlicher Hilfe und Bekleidung werden wir hier oft gebeten. Die Besucherzahlen in diesem Bereich  unterliegen auch hier ziemlichen Schwankungen. Während die Kontakte zwischen 2013 zu diesem Jahr um ca. 13% gestiegen sind, war die Zahl in 2012 noch um 3.6% höher als 2014.


Sicherlich hat  auch der Zuzug von Neu-EU-Bürgern nach Marxloh zu einem Anstieg unserer Besucherzahlen geführt.

 

8.3. Sonstige Einsatzorte

Nach Bedarf werden noch andere Stellen angefahren. Wir nehmen Hinweise aus der Bevölkerung auf und fahren an die Orte, an denen sich Obdachlose oder andere hilfebedürftige Menschen im Freien aufhalten sollen oder sich aufhalten. So hatten wir Einsätze in Großenbaum, Homberg, Walsum, Hochfeld, Meiderich und Rheinhausen.

Im Berichtsjahr waren wir mit unserem Betreuungsmobil an vier Werktagen je Woche im Duisburger Stadtgebiet unterwegs. Zwei Mitarbeiter sind, auf der Basis einer „geringfügigen Beschäftigung", beim Verein angestellt.Sie werden durch ehrenamtliche Mitarbeiter ergänzt, so dass wir täglich immer in 2er-Teams unterwegs sind.

Wir sind ein rein spendenfinanzierter Verein. Nur wenn es uns gelingt, ausreichende Spendenzu akquirieren, können wir unsere Arbeit ausführen.  

Danke

Wir danken allen Helfern, Mitarbeitern, Unterstützern, Freunden,Förderern und Spendern (aus Nah und Fern) für Ihr Engagement.

 

 

 

Wir haben bereits in den Jahresberichten 2011 und 2012 von Wilhelm (Name geändert) berichtet, der in einer notdürftig gebastelten Hütte zwischen den Stämmen eines Baumes nahe der Bahngleise im Duisburger Süden hauste.


Seit mehreren Jahren haben sich der Verein und  die Zentrale Anlauf– Beratungs– und Vermittlungsstelle des Diakoniewerkes (ZABV) bemüht, Wilhelm (74) aus seinem Elend, in das er geraten war, wieder heraus zu holen.  Es war über lange Zeiträume sehr schwierig, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Seinetwegen gab es Fachkonferenzen mit dem Sozial-, dem Ordnungs- und dem Gesundheitsamt, mit Polizeidienststellen und dem Diakoniewerk, um geeignete Möglichkeiten der Hilfe zu entwickeln.


Aber seine Lebensführung, geprägt von starkem Alkoholkonsum, von verschwenderischen Umgang mit seiner geringen Rente, verbunden mit der Ablehnung von angebotenen Hilfemöglichkeiten hat uns gelegentlich „auf die Palme gebracht“. Erst durch das intensive Engagement einer Vereinsmitarbeiterin im Jahre 2013 ist "das Eis gebrochen worden". Durch fast täglichen Einsatz gelang es ihr mit ihm ins Gespräch zu kommen, seine undurchsichtigen Einkommens– und Schuldverhältnisse einigermaßen zu ordnen und schließlich  ihn auch  in einer 1-Raum Wohnung unterzubringen. Wilhelms körperlicher Zustand lies jedoch die Führung eines geordneten Haushaltes eigentlich kaum zu, entsprechend chaotisch war es stets bei ihm. Nach zwischenzeitlich erfolgter Einrichtung einer gerichtlichen Betreuung  konnten durch die Unterstützung eines ambulanten Pflegedienstes und einer Reinigungskraft halbwegs erträgliche Zustände herbeigeführt werden.


Nach einem kleinen operativen Eingriff war Wilhelm von seinem Betreuer vorübergehend in einer Kurzzeitpflege untergebracht worden. Eine  dauerhafte Unterbringung in einem Pflegeheim lehnte er vehement ab. Er wollte zurück in seine Wohnung.


Plötzlich und unerwartet ist Wilhelm dann während seines Aufenthaltes in der Pflegeeinrichtung verstorben. .Eigentlich wollte er gerne in den eignen vier Wänden sterben, das hatte er einmal gesagt. Auch wenn sich sein Wunsch genau genommen nicht erfüllt hat, sind wir dennoch davon überzeugt, dass Wilhelm mit einem Gefühl der Zufriedenheit entschlafen ist. Zuvor hatte er einige Monate in der eigenen Wohnung verbracht und letztlich ist er ja in der Gewissheit eingeschlafen, in Kürze dorthin zurückzukehren. Uns tröstet, dass er behütet und beachtet gestorben ist. Er starb nicht unbemerkt, nicht irgendwo an den Bahngleisen, zwischen alten Kisten und Unrat auf einer Sperrmüll-Matratze, wo man ihn schließlich irgendwann gefunden hätte.


Wilhelm hatte durchaus seine Eigenarten, aber wir haben ihn gleichsam als einen liebenswerten und lebensbejahenden Menschen kennengelernt. Seine kleinen Marotten und seine Kreativität haben uns oft zum Schmunzeln gebracht. Er liebte es Mühle zu spielen. Als Spielbrett diente ein von ihm bemalter Pappkarton und Kronkorken wurden zu Spielsteinen umgewidmet. Häufig hat Wilhelm uns aus seinem Leben erzählt, auch von seinen beiden Kindern und den Umständen, die aus seiner Sicht zum Zerwürfnis und schließlich zum Kontaktabbruch führten. Gerade weil er an seinen beiden Töchtern sehr gehangen hat, hätten wir uns gewünscht, dass unsere Bemühungen, den Kontakt wieder herzustellen, erfolgreich gewesen wären.


Sehr traurig war es, das seine Töchter, von denen er immer erzählt hatte, bei der Trauerfeier nicht anwesend waren. Vielleicht ist am Verhalten der Kinder abzulesen, weshalb der Kontakt zwischen ihnen abgebrochen ist. Was es genau war werden wir wohl nie erfahren. Dieser Umstand, dass kein Verwandter auf seinem letzten Weg anwesend war zeigt die ganze Tragik seines Lebens. Am Ende waren es alleine die Mitglieder unseres Vereins, die Wilhelm auf seinem letzten Weg begleitet haben.


Wilhelm wird in unserer Erinnerung als eine sehr anstrengende Person mit dennoch versöhnlichen Verhaltensweisen erhalten bleiben.

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