Die Arbeitslosenquote in der Stadt Duisburg betrug im Dezember 2012 13,3%. Damit liegt Duisburg über dem Landesdurchschnitt Nordrhein-Westfalen von 8,4% und über dem Bundesdurchschnitt von 7,4%.

 

 

5,2 % Azubis                  29.000 geringfügig Beschäftigte

Der Anteil der Auszubildenden an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten liegt in der Stadt Duisburg bei 5,2% und damit bundesweit im unteren Drittel. Der bundesdeutsche Durchschnitt liegt bei 5,8%. In Duisburg sind nach DGB-Informationen immer mehr Menschen in so genannten Minijobs beschäftigt.

Während bundesweit die Anzahl der sozialversicherten Beschäftigten um 2,5 % gestiegen ist, stagniert sie in Duisburg. 29.000  Duisburgerinnen und Duisburger sind ausschließlich geringfügig beschäftigt. Fast 64% davon, also ca. 18.500, sind Frauen. Zurzeit beträgt die  durchschnittliche Rente für Frauen nach Erwerbstätigkeit etwa 535 Euro im Monat.

Duisburg gehört, nach wie vor zu den Kommunen, die unter Haushaltsicherung stehen. Das bedeutet, dass Duisburg keine freiwilligen Ausgaben für soziale Maßnahmen bewilligen darf. Beim „Stärkungspakt Stadtfinanzen“ in Nordrhein-Westfalen landete die Stadt Duisburg mit ihren mehr als 2,2  Milliarden Euro Schulden in der Gruppe der Zwangskandidaten. Duisburg muss ein Entschuldungsprogramm bis 2021 vorlegen, sonst droht der staatliche Sparkommissar. Um 82 Millionen Euro im Jahr müssen die Ausgaben bis zu diesem Zeitpunkt sinken. Knapp 23 Millionen Euro sollen es nach den  Verwaltungsplänen schon 2012 sein.

2,2 Milliarden Schulden

Hört sich alles ziemlich erschreckend an. Wir hoffen, dass sich Duisburg, wie man es zum Teil in der Innenstadt erkennen kann, weiter attraktiv entwickelt, und nicht von reichen Nachbarstädten „abgekoppelt“ werden wird. Man sieht in der Stadt immer mehr Armut und die statistischen Daten machen einen auch nicht gerade hoffnungsfroh, dass Duisburg zukünftig ein interessanter Standort für Investoren sein könnte. Wir können leider, oder auch zum Glück, nicht in die Zukunft sehen. In jedem Fall scheint es durch die derzeitigen Entwicklungen ziemlich klar zu sein, dass wir als Verein in Duisburg auch weiterhin gebraucht werden.    

Morgens, 7:30 Uhr, Dieter oder Wilfried treffen am Betreuungsmobil ein, das auf dem Gelände des mobilen Möbelservices am Marientor geparkt werden  darf. Achim, der tägliche zweite Mann im Tagesteam, ist bereits seit 7:00 Uhr dabei, den Tagesbedarf an Kaffee zu kochen. Sechs bis acht Kannen  werden täglich gebraucht.Nach kurzem „Hallo“ werden die Ereignisse des Vortages nochmals diskutiert und der kommende Tagesablauf, Fahrtroute, eventuelle Besonderheiten besprochen.

Es geht los. Zunächst Richtung Innenstadt, Königstr., Düsseldorfer Str., Kuhtor. Dabei schauen wir, besonders in den Wintermonaten, ob in den Eingangsbereichen der Geschäfte Obdachlose übernachtet haben.
 
 Gegen 9:00 Uhr oder etwas später fahren wir zu unserem ersten Haltepunkt Am Burgacker / Ecke Düsseldorfer Str. Von ersten Personen werden wir  schon erwartet. Im Schnitt kommen hier täglich ca. 17 Personen zu uns. Dringender Bedarf „Kaffee“, meist mit viel Milch und nicht selten noch mehr Zucker. Erste Gespräche, einzelne Probleme werden erörtert. Nach Jacke     oder Schuhe wird gefragt. Gegebenenfalls müssen Probleme Einzelner mit der Fachstelle für Wohnungsnotfälle oder mit dem Jobcenter telefonisch abgeklärt werden.   

4 Tage pro Woche war unser Betreuungsmobil im Stadtgebiet unterwegs

 

Gegen 10:00 Uhr geht es weiter. Richtung Hamborn, durch die Ortsteile dazwischen. Fahren an der einen oder andeden Ecke vorbei, wo schon mal übernachtet wurde oder gehen Hinweisen von Bürgern nach. Wir kommen nach Neumühl, zum Hohenzollern-Platz. Weiter geht’s zum August-Bebel-Platz in Marxloh.

Wir treffen auf ein gleichartiges Publikum. Hier sind es im Durchschnitt 24 Personen, die täglich zum Betreuungsmobil kommen. Auch hier viel Kaffee. Immer wieder Gespräche zu persönlichen Problemen. Durch diese direkten Ansprachen erhalten wir notwendige Informationen, ob die hilfsbedürftigen Personen z. B. z.Zt. eine Wohnung haben oder „auf Platte“ leben. Ebenso nachgefragt wird nach Schwierigkeiten, die möglicherweise im Zusammenhang mit der Leistungsgewährung durch das Jobcenter bestehen.

Dies alles ist insbesondere deshalb von Bedeutung, weil viele der Betroffenen nicht selbst die Initiative ergreifen, um auf ihre vehementen Probleme aufmerksam zu machen, noch weniger, um sie definitiv zu lösen. Für unser Klientel sind wir seit Jahren ein vertrauensvoller Partner geworden, auch wenn sich manche Probleme nicht immer sofort lösen lassen Die Zusammenarbeit mit den verschiedensten Dienststellen und sozialen Einrichtungen lässt Probleme zielgenauer lösen. Für die Betroffenen ist dies ein Stück wieder gewonnener Lebensqualität. Für uns die Motivation, partnerschaftlich den Schwächsten unserer Gesellschaft gegenüber zu treten.

Im Berichtsjahr waren wir mit unserem Betreuungsmobil bis Mai an fünf Werktagen, danach nur noch an 4 Werktagen je Woche im Duisburger Stadtgebiet unterwegs. Bis Mai war zusätzlich ein Mitarbeiter bei den Betreuungsfahrten eingesetzt, der vom Jobcenter im Rahmen einer „Entgeltvariante“ finanziert wurde. Zwei Mitarbeiter sind, auf der Basis einer „geringfügigen Beschäftigung", beim Verein angestellt. Sie werden durch ehrenamtliche  Mitarbeiter ergänzt, so dass wir täglich immer in 2er-Teams unterwegs sind. Wir sind ein rein spendenfinanzierter Verein. Nur wenn es uns   weiterhin gelingt, ausreichende Spenden zu akquirieren, können wir unsere Arbeit fortsetzen.
 

 So können Menschen wohnen, die ihr Interesse am Leben verloren haben

 

 

4 Tage pro Woche war unser Betreuungsmobil im Stadtgebiet unterwegs


Wir möchten uns an dieser Stelle bei allen unseren aktiven ehrenamtlichen Mitarbeitern, Freunden und Förderern für ihr Engagement bedanken.

Im Jahr 2012 wurden täglich im Durchschnitt 17 Personen am Standort Stadtmitte betreut. Dahinter stecken im Laufe des Jahres 2937 Betreuungskontakte. Auch im Jahre 2012 wurden Menschen an diesem Standort betreut, die uns schon teilweise über Jahre bekannt sind und die immer wieder Hilfestellungen bei der Bewältigung ihres Lebens benötigen.

2937 Betreuungskontakte in der Stadtmitte

An 174 Tagen waren wir 2012 am August-Bebel-Platz. Dabei kam es zu 4191 Betreuungskontakten. Das bedeutet, dass uns an jedem Tag ca. 24 Personen angesprochen haben. Die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse in Marxloh prägen auch in hohem Maße die sozialen und finanziellen Möglichkeiten der dort lebenden Menschen. Um Hilfen bei Behördenangelegenheiten, so wie wirtschaftlicher Hilfe und Bekleidung werden wir oft gebeten.

Wir nehmen Hinweise aus der Bevölkerung auf und fahren an die Orte, an denen sich Obdachlose oder andere hilfebedürftige Menschen im Freien aufhalten sollen oder sich aufhalten. So hatten wir Einsätze in Großenbaum, Homberg, Walsum, Hochfeld und Meiderich.

 

Der alte Herr, der jahrelang mit einem Bahn-Gepäckwagen, mit seinem Hab und Gut, hochbeladen, insbesondere durch die Stadtmitte und die angrenzenden Stadtteile zog. Wir haben ihn in den ersten Jahren des neuen Jahrhunderts kennengelernt. Er schlief in den Wartehäuschen der Haltestellen, gelegentlich unter Überdächern größerer Gebäude, in Parks und zuletzt auf dem Gelände der Uni. Mit Ihm umzugehen war sehr schwierig.

Oft sind wir auf seine Ablehnung gestoßen. Selten nahm er von uns einen Kaffee oder Kleidungsstücke an. Ein Gespräch mit ihm war kaum möglich. Er ist Ausländer und spricht nur schlecht Deutsch. Häufig war er zu unwillig, mit uns zu sprechen. Im Laufe der Jahre merkten wir, dass ihm das Laufen immer schwieriger wurde. Er ließ seinen Wagen stehen und bewegte sich mit Tüten bepackt durch das Stadtgebiet.

Anfang des Jahres bewegte er sich nur noch mühsam. Sein Zustand verschlechterte sich zusehends. Wir versuchten, ihm eine Wohnsituation in einem geeigneten Heim schmackhaft zu machen, stießen aber immer nur auf Ablehnung. Mitte des Jahres haben wir zum wiederholten Male Ärzte gebeten, seinen Zustand zu beurteilen. Letztlich wurde eine Krankenhauseinweisung gegen seinen Willen vorgenommen und durch das Amtsgericht ein Betreuer bestellt.

Josef lebt jetzt in einer Einrichtung des Christophorus Werkes in Duisburg. Gesundheitlich geht es ihm leider nicht sehr gut. Inzwischen ist er fast 80 Jahre alt und die Altersgebrechen sind unverkennbar. Soweit wir feststellen können, hat er fast 30 Jahre auf der Straße gelebt. Den Grund kennen wir nicht. Ob er Angehörige hat, wissen wir nicht. In den behördlichen Karteien wird er als ledig geführt.

Wir hoffen, dass er seinen Lebensabend in der jetzigen geschützten Umgebung in Ruhe verbringen kann.

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